Review: Metal Gear Rising: Revengeance (PS3)


  • Wer an „Metal Gear“ denkt, der denkt an Big Boss, an Solid Snake, vielleicht auch an Psycho Mantis, The Boss, Revolver Ocelot oder Liquid Snake. In der Regel kommt einem Raiden erst etwas später in den Sinn, dabei hatte dieser nicht nur die Hauptrolle im grandiosen „Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty“ inne, sondern spielte auch eine tragende Rolle in „Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“. In dieser Zeit entwickelte er sich vom absoluten Anfänger zum legitimen Nachfolger von Publikumsliebling Gray Fox. Ein beachtlicher Wandel, der aber auch stets recht vage gehalten wurde. Diese Lücke wollte Hideo Kojima mit „Metal Gear Solid: Rising“, der actionorientierten und 2009 angekündigten Geschichte von Raiden zwischen den Teilen zwei und vier der Saga, schließen. Aufgrund von Problemen mit dem Action-Gameplay wurde aber nichts aus dem Spiel, zumindest vorläufig, denn ganz tot war das Projekt noch lange nicht. Zusammen mit den Actionexperten von Platinum Games („Bayonetta“, „Vanquish“) schaffte es Kojima Productions nämlich doch noch, Raiden eine weitere Hauptrolle zu spendieren, und zwar in „Metal Gear Rising: Revengeance“.



    Raiden’s Back


    Im Laufe der Jahre haben sich aber nicht nur der Titel und das Entwicklerteam verändert, sondern infolgedessen auch das Konzept des Spiels. Aus dem Wandel von Raiden wurde eine im Gesamtkontext komplett irrelevante Fortsetzung zu „Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“. Darüber hinaus ist dem Spiel in jeder Sekunde deutlich anzumerken, dass viel mehr Platinum Games dahintersteckt als Kojima Productions. Was bedeutet das im Klartext? Ein rasantes Gameplay, eine coole Inszenierung und spektakuläre Over-the-Top-Action. An ein klassisches „Metal Gear“ erinnern höchstens noch kleinere Spielereien, Stichwort VR-Training, einzelne starke Charaktere, wie Bösewicht Jetstream Sam, und die Themen, die in der Handlung von Bedeutung sind, etwa die Kriegswirtschaft oder Kindersoldaten, auch wenn sie doch oberflächlicher als in der Hauptreihe behandelt werden. Aber es dürfte kein Geheimnis sein, dass das Spiel eben eine andere Erfahrung im „Metal Gear“-Universum bieten soll. Daher stellt sich eigentlich nur eine Frage: Wie schlägt sich Raiden als vom Gesamtkonstrukt „Metal Gear“ relativ losgelöster Actionheld?



    Jack The Ripper geht seinen Weg


    Gar nicht mal so schlecht, aber auch nicht überragend gut, um die Antwort gleich vorweg zu nehmen. Das Kampfsystem, ohne Frage das Herzstück des Spiels, macht dabei eine gute Figur, braucht aber etwas Eingewöhnungszeit und lässt den Spieler zu lange mit Button-Mashing davonkommen. Wenn dann mehr von ihm verlangt wird, hat er bereits rund die Hälfte des Spiels hinter sich und kommt somit erst sehr spät in den Genuss des facettenreichen Gameplays. Hat man dieses erst einmal verinnerlicht, machen die Kämpfe, besonders gegen Bosse, enorm viel Spaß. Die Gegner werden mit dem Schwert und anderen Waffen komboreich bearbeitet, mit einem Konter oder einem Quick-Time-Event in Position gebracht und mit dem „Free-Slicing“-Feature individuell und in Zeitlupe ins Jenseits befördert. Klingt einfach und auch ein wenig repetitiv, ist es aber nicht und vor allem das „freie Schneiden“ wird wirklich nie langweilig. Das kann auch damit zusammenhängen, dass man das Spiel in rund sechs Stunden durchhaben kann. Sobald man also in Fahrt kommt, ist das Ganze auch schon wieder vorbei, schade. Eine Spaßbremse hat sich auch ins Spiel eingeschlichen, und zwar handelt es sich um die Kamera, die viel zu oft einfach macht, was sie will. Ansonsten gibt es bei der Umsetzung nichts zu meckern, die Grafik kann sich sehen lassen und der Soundtrack ist wild, laut und durchaus unkonventionell, passt aber doch irgendwie perfekt.



    Lightning Bolt Action


    Dem „Metal Gear Solid“-Fan in mir fällt eigentlich nur ein Grund ein, warum man „Metal Gear Rising: Revengeance“ gespielt haben sollte: Sunny und ihr Mini-Comeback. Der Action- und Platinum Games-Fan in mir hatte aber durchaus seinen Spaß am „Vanquish“ für Nahkämpfer. Es kommt also, wie immer, auf die Erwartungshaltung an, und auch wenn das Spiel alles andere als perfekt ist, so steckt dahinter zumindest ein interessantes Konzept, das auch noch zufriedenstellend umgesetzt wurde und ein paar unterhaltsame Stunden garantiert. Das Experiment hat sich also ausgezahlt. Bleibt nur abzuwarten, wie sich Raidens Karriere weiterentwickelt. „Metal Gear“-Mastermind Hideo Kojima hat ja bereits verlautbaren lassen, dass er sich eine Fortsetzung zu „Metal Gear Rising: Revengeance“ vorstellen könnte …


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