Buchrezension "Hack/Slash - Der erste Schnitt"


  • Inhaltsangabe HACK/SLASH Band 1 "Der erste Schnitt“


    In jedem Slasher-Film gibt es ein Mädchen, dass am Ende übrig bleibt. Die einzige Überlebende. Cassie Hack ist eine von ihnen. Sie überlebte einst den Angriff des brutalen Killers „The Lunch Lady“. Nun reist Cassie mit ihrem monströsen Partner, Vlad, durchs Land, immer auf der Jagd nach Slashern und perversen Mördern, um sie daran zu hindern, weiter Blut und Terror zu verbreiten.



    Cassie und Vlad bei der Ausübung ihres blutigen Handwerkes




    The slasher victim slashes back!


    Einleitung :


    Die Blütezeit der 80iger Jahre Slasher-Horror-Welle brachte zahlreiche Kultfiguren des Genres hervor: Namen wie Freddy Krueger, Jason Vorhees, Micheal Myers, Leatherface oder Candyman dürften auch heutzutage noch jedem Horrorliebhaber ein Begriff sein, manch einer dürfte sich mit wohligem Gruseln an den rabiaten Mordmethoden dieser Dunkelmänner erfreut haben. Eins ist klar, in Filmen des Slashergenres sind stets die Killer die eigentlichen Stars, die restlichen Darsteller fungieren bloss als nerviges Kanonen- (oder besser Macheten-, Motorsägen-, Klauen- etc.) Futter. Wie wäre es nun aber, wenn sich diese Slasher Victimes vereinigen und gemeinsam gegen ihre Peiniger vorgehen würden? Wenn also die Überlebenden eines Vorhees-Angriffes nun eine Allianz gegen Freddy Krueger und Leatherface bilden würden? Mit einem ähnlichen Szenario beschäftig sich die Episodenserie „Hack/Slash“, deren erster Band den lieblich-zweideutigen Titel „Der erste Schnitt“ (The First Cut) trägt. Cassie Hack, einst selbst Opfer eines Serienmörders, macht sich zusammen mit einem grobschlächtigen Koloss namens „Vlad“ auf die Jagd nach Serienmördern, Slashern und Psychopathen, und geht dabei mindestens genau so brutal vor, wie ihre blutrünstigen Feinde.



    Die seltsame Geschichte von Cassie Hack




    Kritik :


    Nachdem Cassie Hack Zeit ihres Lebens als Freak und Aussenseiter abgestempelt worden ist, nimmt ihr Leben „dank“ ihrer Mutter eine drastische Wende: Cassies Mutter, beruflich als Schulköchin tätig, beginnt, ihrer Tochter das Leben zu „erleichtern“, in dem sie unbeliebte Schüler kurzerhand in den Kochtopf haut und als „falscher Hase“ serviert. Wut und Schuldgefühle bringen Cassie schliesslich dazu, ihre Mutter „The Lunch Lady“ in einem Akt der Verzweiflung von ihrem Dasein als rachsüchtiger Geist zu erlösen. So tötet Cassie ihren ersten Slasher, und zieht fortan gegen allerlei üble Gesellen ins Feld. An ihrer Seite: ein missgebildeter, aber im Grunde genommen liebenswerter Gigant namens „Vlad“. So starten Cassie und Vlad einen blutigen und sehr schwarzhumorigen Streitzug durch ein unverbrauchtes Szenario voller Insidergags und schräger Gestalten.


    Fernab jeglicher Normalität zieht Autor TIM SEELEY einen losen Storyfaden durchs grotesk-skurille Szenario, welches aufgrund seiner deftigen, sehr schwarzhumorigen Gewaltexzesse vor allem Fans des Horrorgenres ansprechen dürfte. Zum Glück gibt sich „Hack/Slash“ stets selbstironisch und parodiert das Slasher Genre auf gezielte, aber zu gleich auch sehr respektvolle Art und Weise sehr gekonnt. Sogar liebevolle „Cameo-Auftritte“ anderer Graphic Novel Autoren (allen voran natürlich ROBERT KIRKMAN) sind vorhanden und zeugen vom geschickten Umgang Seeleys mit der Materie. Der Aufbau der Storyline erinnert stark an Filme des Episodenhorror-Genres, jedem Serienmörder wird eine eigene Episode gewidmet. Dabei ist es immer wieder interessant zu sehen, welche schrägen Charaktere sich Seeley alles ausgedacht hat, und mit welch merkwürdigen Vorgeschichten er sie versah. Meistens kamen die Slasher bei äusserst seltsamen Unfällen oder Morden ums Leben, ihre Tode prägen sowohl ihr Erscheinungsbild als auch ihre Mordmethoden. Apropos Morde, davon gibt es in „Hack/Slash“ wahrlich genug zu sehen: Es spritzt das Blut fontänenartig durch die Gegend wie zu besten Vorhees Zeiten, es werden Körperteile abgetrennt und der Bodycount nimmt ein beachtliches Ausmass an. Kurzum, Hack/Slash scheut sich nicht, dem Slasher Genre auch in diesem Bereich Respekt zu zollen. Wirklich brutal wirkt Hack/Slash aber aufgrund der schwarzhumorigen Abfederungen zu keiner Zeit, fiese One-Liner („Platz!“) und Over the Top Goreeffekte zaubern dem Zuschauer genau das bös-säuerlich amüsierte Lächeln aufs Gesicht, welches einem auch öfters bei der Sichtung von Slasher Filmen die Mundwinkel deformierte.


    Unterstützt wird dies durch STEFANO CASELLI überspitzten, aber sehr atmosphärisch wirkenden Zeichnungsstil, welcher sowohl die Hauptfiguren als auch die zahlreichen Serienkiller düster und bedrohlich in Szene zu setzen weiss. Casellis Mitarbeit an „Hack/Slash“ beschränkt sich allerdings leider auf die erste „Intro“-Geschichte, danach kommt das etwas gradlinigere, eher durchschnittliche Artwork von FEDERICA MANFREDI zum Einsatz. Besonders die Darstellung von Cassie Hack gelang Caselli meiner Meinung nach deutlich besser, Casellis Cassie wirkt sowohl weiblicher als auch gothic-erotischer. Manfredi muss man allerdings zu Gute halten, das sie Cassie und Vlad zeitweise menschlicher und greifbarer wirken lässt, und scheinbar auch einem ordentlichen Schuss Comicblut keineswegs abgeneigt zu sein scheint. Kurzum, beide Zeichner liefern solide bis hervorragende Arbeiten ab, beide Zeichenstile haben ihre Vor-und Nachteile. Letztendlich dürfte dies aber sowieso vom persönlichen Geschmack des Betrachters abhängen, welchen Zeichnungsstil er präferien wird.


    Fazit :


    „Hack/Slash“ bläst einen frischen Wind durchs Genre, recycelt aus einem absolut verbrauchten Szenario mittels Hinzufügung zweier neuer Figuren eine stimmige Hommage mit hohem Unterhaltungswert und fügt dem Ganzen noch einen ordentlichen Schuss Dunkelheit und Blut bei. Wohltuend anders und trotzdem sehr vertraut wirkend, teilweise gar ein klein wenig nachdenklich und melancholisch, im Grossen und Ganzen aber schwarzhumorig und unterhaltsam, „Hack/Slash“ gibt sich simpel und vielfältig zu gleich. Diese schräge Mixtur scheint in der Tat grossartig aufzugehen, und dürfte für Fans Grund genug sein, endlich wieder einmal die Machete zu polieren, die Motorsäge zu ölen und die Krallen zu schleifen. Keep slashing!



    Slasher in Aktion




    Aufmachung der Cross Cult Ausgabe :


    Wie von Cross Cult gewohnt dominiert auch hier wieder Luxus pur : Stabiler und schicker Hardcover Einband, edle Papierqualität, gebundene Seiten, massig interessantes Bonusmaterial und als kleines Schmankerl ist auch noch eine nette Pin’Up Galerie vorhanden. Neben einem sich interessant lesenden Vorwort enthält der Backteil des Buches auch noch einige Backgroundinformations, Interviews und Facts. Alles in Allem kann hier erneut eine unbeschränkte Kaufempfehlung ausgesprochen werden, Cross Cult scheint ihren hohen Standart ohne Mühe aufrecht erhalten zu können.



    Cross Cult Ausgabe "Hack/Slash - Der erste Schnitt"



    Wir bedanken uns bei Cross Cult für die freundliche Unterstützung



    Buchrezension erstellt von Dave Maurer

    I am inventing electricity, and you look like an asshole. You look like a fucking idiot.


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