Buchrezension "The Hard Goodbye” (dt. Titel “Stadt ohne Gnade”)


  • Inhaltsangabe Sin City Band 1 "Stadt ohne Gnade“


    Marv ist ein Ungetüm von einem Mann, ein Monster, ein Schläger, der keiner Auseinandersetzung aus dem Weg geht, und der so unerbittlich ist wie seine eisenharten Fäuste. Freunde hat er keine, dafür etliche Feinde, die ihm nach dem Leben trachten. Kurzum: Marv ist Sin Citys bester Bürger. Körperkontakt kennt er nur dann, wenn seine Pranken auf die Kinne, Mägen oder Kehlköpfe seiner Kontrahenten treffen. Er verbringt seine Zeit mit Schlägereien, Sauftouren und Aufenthalten in Gefängniszellen. Doch eines Nachts wird alles anders: Die bildhübsche Goldie flüchtet sich in seine kräftigen Arme. Ausgerechnet in Marvs Arme. Er kann sein Glück nicht fassen. In dieser einen Nacht erhält er all die Liebe, auf die er bislang immer hatte verzichten müssen, von einem Engel, einer Erscheinung.


    Am nächsten Morgen, als Marv mit schwerem Kopf neben ihr erwacht, ist Goldie tot – ermordet während er schlief, nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. Es bleibt ihm keine Zeit, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wer der Mörder gewesen sein könnte. Denn Marv ist klar, dass der Täter die Situation ausnutzt, um den Mord ihm in die Schuhe zu schieben. Erfüllt von unfassbarer Wut gelingt Marv in letzter Sekunde die Flucht vor der heraneilenden Polizei. Marv begibt sich auf die Suche nach dem wahren Mörder, und geht dabei mindestens genau so brutal und grausam vor wie seine gewissenlosen Feinde.


    Ein sehr charakteristisches Zitat von Marv :


    Zitat

    This is blood for blood and by the gallon. These are the old days, the bad days, the all-or-nothing days. They're back! There's no choice left. And I'm ready for war.



    Szenen aus "Stadt ohne Gnade" (Collage by Herzfresser)




    Ein gnadenloser Trip durch Millers dunkle Fantasie


    Einleitung :


    Wann immer sich Frank Miller einer Kultfigur des Superhelden-Genres annahm, war das Resultat in der Regel absolut kompromisslose Action der Extraklasse. Sei es nun ein alter, verbitterter und äusserst rachsüchtiger Batman auf Selbstjustiztour durch Gotham City oder ein brutaler Daredevil erfüllt von grenzenloser Mordlust, Millers Name versprach stets düstere Szenarien, abgehalfterte Helden und überzogene Brutalitäten. Diese 3 Faktoren sind in praktisch allen Werken Millers zentral und wurden spätestens in Millers „Sin City“ zur endgültigen Perfektion gebracht. Sei es der bissig-böse schwarze Humor, die endlos coolen One-Liner oder die skurrilen wie auch sehr bösartigen Charaktere, Millers fiktive Stadt „Basin City“ (dank Abnutzungen auf dem Ortplakat nur noch als „Sin City“ entzifferbar) dürfte für alle Liebhaber der Crime-Literatur ein absolutes Muss darstellen. Miller brennt zeitenweise ein derart gezieltes Feuerwerk an geschliffenen Dialogen, düsterster Polemik und einem kräftigen Schuss Sarkasmus ab, das dem Leser nicht nur einmal der Atmen stocken dürfte.


    Kritik :


    Im ersten Sin City Band „Stadt ohne Gnade“ (Originaltitel „The Hard Goodbye“) tritt eine Figur ans Tageslicht (insofern denn solches in Sin City überhaupt existiert), welche Kennern des Kinofilmes schon bekannt sein dürfte : Marv. Seines Zeichens grobschlächtiger Psychopath mit dem Herz am rechten Fleck und einem grossen Hang zur Gewalttätigkeit. Marv ist ein wahrer Berg von einem Mann, der sogar selbst mit mehreren Schusswunden versehen nahezu unbehelligt das Schlachtfeld zu verlassen pflegt. Seiner Gegner entledigt er sich bevorzugterweise mit seinen gewaltigen Pranken, mit welchen er seine Gegenüber nahezu zertrümmert. Kurzum, Marv entspricht genau der Gattung Bösewichte, die man unter keinen Umständen am Hals haben will. In „The Hard Goodbye“ bemerken einige Ganoven allerdings zu spät, wessen Schützling sie eines Nachts ermorden, und müssen sich dafür der qualvollsten und wahrscheinlich auch letzten Nacht ihres Lebens stellen.




    Unterstützt von Millers starken S/W Kontrasten lässt „Sin City“ eine unglaublich dichte Atmosphäre entstehen, der Leser wird förmlich in den düsteren Sog aus Vergeltung, Hass und Gewalt hineingesaugt, fiebert mit, schreckt zurück oder lässt sich ein diabolisches Grinsen aufs Gesicht zaubern. Millers schräge Perspektiven und verzerrte Körperformen lassen dabei das ohne hin schon skurrile Geschehen noch einmal deutlich grotesker wirken. Besonders Marv wurde von Miller zeichnerisch absolut einzigartig umgesetzt, sei es nun Marvs schuhabsatzförmiges Riesenkinn, sein zunehmend mit Wunden und Bandagen bedecktes Gesicht oder seine überproportionierte Leibesgrösse, Marv sticht sogar im Reich der Huren, korrupten Cops, Killer und Serienmörder bizarr hervor.




    Fazit :


    Bietet „Stadt ohne Gnade“ inhaltlich nur eine mehr oder weniger routinierte Revenge Story, so wartet Miller dafür bei der Umsetzung mit unzähligen Feinheiten auf. So werden hier scharfzüngige und bissige One-Liner en masse serviert, ganz klar sind hier die Wurzeln des Film Noir Genres zu erkennen. Auch bietet das Graphic Novel aufgrund Millers rasend schnellem und nahezu atemlosen Erzählstil nicht den geringsten Leerlauf, fast ekstasische Bilderreigen mit Hang zum Surrealismus prasseln auf den geneigten Leser hernieder, entführen einem tief ins verfaulte Herzen der Sündenmetropole Sin City. Von Spannung kann nicht unbedingt die Rede sein, dafür ist der Ausgang der Story zu voraussehbar. Dafür gestaltet sich Marvs Mörderjagd atemberaubend schaurig und morbid, wenn z.b. ein auf einer abgelegenen Farm hausender Kannibale ins Zentrum der Geschichte gerückt wird, dürfte manch einer von einem wohligen Gruseln übermannt werden.



    Film/Graphic Novel Bild Vergleich "The Hard Goodbye"



    Aufmachung der Cross Cult Ausgabe :


    Seit einiger Zeit haben Fans hochstehender Comic Literatur abseits der Superheldenvermarktung eine erstklassige Möglichkeit, an exzellente Werke in würdiger Umsetzung zukommen. Möglich macht dies der Verlag „Cross Cult“, welcher in letzter Zeit durch eine ganze Palette an hervorragenden Veröffentlichungen zu verzücken wusste. Die liebevolle Aufmachung im handlichen Buchformat, der Hardcover Einband, die festen und edlen Papierseiten, welche selbstverständlich gebunden sind, lassen sich ohne jegliche Lobhudelei als qualitativ herausragend beschreiben. Man sollte sich von teilweise hohen Preisen nicht abschrecken lassen, den Cross Cult liefert erstklassige Qualität ab, welche ihr Geld auch absolut wert ist. Oder um einen cinephilen Vergleich zu ziehen : Cross Cult ist das Criterion der deutschen Graphic Novel Literatur. Eine Erwähnung wert sind auch die zahlreichen Bonuszugaben in Form von Interviews, Backgroundinformations, Recherchen, Pin-Up Galleries und und und.



    Cross Cult Ausgabe "Stadt ohne Gnade"



    Wir bedanken uns bei Cross Cult für die freundliche Unterstützung



    Buchrezension erstellt von Dave Maurer

    I am inventing electricity, and you look like an asshole. You look like a fucking idiot.


    Drunk History - Nikola Tesla on Thomas Edison - FunnyorDie

  • Zu Erwähnen wäre da noch, dass das in der Sin City Box enthaltene Graphic Novel nur eine abgespeckte Version der Cross Cult Ausgabe darstellt. Die Abseits der Box erhältliche Fassung liegt in einem grösseren Format und wesentlich besserer Qualität vor, Hardcover und äusserst edles Papier, zudem gebunden.

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